Ich bin schwanger!


Ich bin schwanger. Es fühlt sich komisch an, diese Worte zu schreiben, achten mein Mann und ich doch penibel darauf, dass es noch niemand erfährt, bevor wir „auf der sicheren Seite“ sind. Doch die Anonymität des Internets macht es mir leicht, zumindest auf diese Weise ein Ventil für diese Neuigkeit zu finden, die doch so unbedingt aus mir herausbrechen möchte. In jedem Gespräch, in jedem Chat, in jedem Telefonat schläft sie unter der Oberfläche und wartet darauf, von mir herausgebrüllt zu werden: Ich bin wieder schwanger.

Dürfen wir uns freuen?

Wir hatten uns ja bereits kurz nach der Fehlgeburt dafür entschieden, weitermachen zu wollen. Psychisch ging es uns nach einigen Wochen wieder so gut, dass wir uns eine erneute Schwangerschaft wünschten und körperlich sprach nichts dagegen. Im ersten Zyklus nach der Fehlgeburt hat es nicht geklappt, eine derbe Enttäuschung, für die ich mich jetzt – mit meinem Glück – fast schäme, denn direkt im zweiten Zyklus hat es wieder geklappt. Ich weiß, dass ich wahnsinnig glücklich und dankbar sein muss, weil viele Frauen lange auf eine Schwangerschaft warten müssen und es bei uns innerhalb kürzester Zeit gleich zwei Mal geklappt hat. Doch da ist nicht nur das Glücksgefühl. Dieses ist ehrlich gesagt (noch) ziemlich gedämpft in einer kleinen Ecke meines Bauches versteckt. Ich habe vor allem Angst. Wenn man weiß, wie schnell es vorbei sein kann, sieht man eine beginnende Schwangerschaft mit anderen Augen. Jedes Ziepen und auch jedes fehlende Ziepen wird interpretiert und irgendwie wartet man nur darauf, dass es wieder schief geht. Man wartet, damit man dann nicht so enttäuscht ist und sagen kann „Ich wusste es ja sowieso“.

Aber trotzdem bin ich stolz darauf, dass mein Körper so schnell wieder eine Schwangerschaft zugelassen hat. Und ich bin verhalten glücklich. Ich habe zudem eigentlich ein gutes Gefühl; ich dürfte also weniger sagen „Ich wusste es ja sowieso“, sollte es wieder zur Fehlgeburt kommen. Es fühlt sich richtig an. Und das ohne ausgeprägte Schwangerschaftssymptome, die ich mir auf irgendeine Art und Weise zur „Pseudo-Sicherheit“ herbeiwünschen würde.

Meine zweite Schwangerschaft

Nach meinen Berechnungen bin ich heute bei SSW 5+3. Meinen Frauenarzttermin habe ich erst in zwei Wochen. Ich bin froh, nicht wieder in der 7. Woche zur Ärztin zu gehen, so hat das kleine Maiskörnchen noch etwas Zeit, sich zu entwickeln und in der 8. Woche sollte man dann ja wirklich einiges sehen. Ich habe Angst vor diesem Moment. Beim letzten Termin war der Ultraschall für mich der Moment, in dem ich wusste, dass aus dieser Fruchthöhle auf keinen Fall ein kleiner Mensch werden wird. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass ich diesen Augenblick nicht noch einmal erleben muss. Ich persönlich würde mir da eher wünschen, noch vor dem Termin Blutungen zu bekommen.

Mir geht es soweit gut. Zu gut, für meinen Geschmack. Hier und da habe ich Leistenziehen und auch manchmal Unterleibsschmerzen (Panik!!!), meine Brust ist etwas empfindlich, aber von Schmerzen ist da nicht zu reden. Übelkeit, Fehlanzeige. In der 5. SSW war mir manchmal etwas schwindelig, auch das hat sich wieder gelegt. Somit fühle ich mich alles in allem, bis auf die extreme Müdigkeit, ziemlich unschwanger. Immer wieder sage ich mir, dass das nichts zu bedeuten hat, dass das noch kommen kann oder auch einfach meine Art der Schwangerschaft sein kann. Und ich hoffe, dass ich recht behalte.

Wie gehen wir also mit der Situation um?

Wir vertrauen. Wir versuchen, mit all der Kraft, die wir haben, zu vertrauen, dass es dieses Mal klappen wird. Sowohl mein Gefühl als auch das meines Mannes sind dieses Mal besser, doch natürlich steht es noch in den Sternen, ob dieses Baby jemals das Licht der Welt erblicken wird. Aber ich bin immer wieder begeistert davon, was für ein gutes Team mein Mann und ich sind. Wir versuchen beide, uns auf alle Situationen einzustellen, da wir wissen, wie schnell es wieder vorbeigehen kann. Aber klammheimlich sehe ich meinen Mann am Handy durch Kinderwägen-Testsieger zu scrollen, und muss dabei lächeln – war ich doch erst vor zwei Stunden auf genau dieser Seite.

Natürlich ist es für solche Anschaffungen viel zu früh – wir sind ja nicht verrückt. Aber es gibt uns beiden Kraft, sich mit etwas „konkretem“ zu beschäftigen, solange das Wesen in mir noch so verletzlich und unsicher ist. Irgendwie wird es dadurch realer.

Verhaltene Reaktionen

Als ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, war ich bei ES+12 abends. Ich wusste es einfach. Ich wollte den Test eigentlich erst nach NMT machen, aus Angst, dass die Periode doch noch kommt. Doch da ich Progesteron nehmen sollte, sobald mein SST positiv ist, wollte ich es dann doch früher wissen. Und da war er tatsächlich positiv. Meine Reaktion war nicht zu vergleichen mit der Reaktion des ersten positiven Tests im November. Damals bin ich gehüpft wie ein Flummi, das Gefühl war unbeschreiblich. Bei diesem Test war es eher ein leichtes Bauchkribbeln, die restlichen Glücksgefühle lagen begraben unter einem großen Berg von „Freu dich nicht zu früh“. Ich konnte meinem Mann ansehen, dass es ihm genauso ging. Trotzdem hielten wir uns lange in den Armen und vereinbarten, erstmal die nächsten Tage abzuwarten, falls das befruchtete Ei noch mit der Regelblutung abging. Mit jedem Tag wuchs die Sicherheit, dass zumindest dies nicht passieren wird. Ich habe viele Schwangerschaftstests gemacht und mich dafür irgendwie verabscheut. Doch ich musste unbedingt sehen, dass die zweite Linie dunkler wird und mir auf irgendeine Weise einen Hauch von Sicherheit abholen. Nach 8 Tagen wurde sie nicht mehr so wirklich dunkler und ich fing wieder an, mich verrückt zu machen- Seitdem teste ich nicht mehr und lasse es auf mich zukommen. Von Schwangerschaftstests blieb noch keine Schwangerschaft intakt. Und nun bleibt mir sowieso nur noch das Eine übrig, das wir so fest versuchen zu tun: vertrauen.

Veröffentlicht von diewunderzelle

Ich hatte eine frühe Fehlgeburt in der 7. SSW. Wie verarbeitet man das? Wie lange darf man trauern und wie geht es weiter? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftige ich mich auf meinem Blog. Stets dabei: Die Hoffnung, dass bald alles besser wird!

Ein Kommentar zu “Ich bin schwanger!

  1. Herzlichen Glückwunsch! Toll dass es so schnell wieder geklappt hat. Ich drück ganz fest die Daumen! Genießt es und seid voller Hoffnung. Eine Enttäuschung lässt sich eh nicht vorher einplanen. ❤

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