Drei Wochen nach meiner Fehlgeburt


Inzwischen ist es über drei Wochen her, dass ich schwanger war. Irgendwie kann ich es mir gar nicht mehr richtig vorstellen, dass ich wirklich schwanger war – es fühlt sich an, als wäre es schon Monate her, dass ich den positiven Test in den Händen hatte und ebenso, dass plötzlich die Blutungen angefangen haben. Gab es die schmerzende Brust überhaupt? Hatte ich tatsächlich diese unglaubliche Müdigkeit verspürt, wie kaum zuvor in meinem Leben? Vermutlich ist es wichtig und richtig, dass die Erinnerungen daran einfach langsam verblassen.

Es geht bergauf

Wir haben die Fehlgeburt inzwischen auch emotional ganz gut verarbeitet. Glaube ich zumindest. Ich merke, dass es bei mir spezifische Trigger gibt, die mich zurückversetzen in die Gefühle von Trauer, Wut und Unverständnis. So zum Beispiel mein letzter Frauenarztbesuch vor einer Woche, aber dazu gleich mehr. 

Ohne diese Trigger geht es mir aber eigentlich ganz gut. Ich habe akzeptiert, dass unsere Wunderzelle nicht mehr in mir ist und blicke recht optimistisch in die Zukunft. Mein Kinderwunsch wächst allerdings immer mehr und so erwische ich mich oft bei dem Gedanken, dass ich Tage gern verkürzen würde, um schneller wieder zum Eisprung zu kommen, zum Testergebnis zu kommen und hoffentlich zum positiven Schwangerschaftstest zu kommen. Aber das möchte ich nicht – Ich kann kein Leben im Wartezimmer auf den nächsten Schwangerschaftstest verbringen, so soll und darf das nicht sein. Und so versuche ich mich von den Gedanken an die Kinderplanung abzulenken und anderweitig aktiv zu werden. Leider ist das gar nicht so einfach, wenn um einen herum die Babynews nur so explodieren. Aber uns wird es auch irgendwann erwischen – das weiß ich. Und dann wird es auch klappen! Bis dahin versuche ich, die Trigger zu vermeiden oder aber zu akzeptieren, wenn es unausweichlich ist:

Der zweite Kontrolltermin nach der Fehlgeburt

Vergangenen Donnerstag hatte ich meinen zweiten Kontrolltermin nach der Fehlgeburt. Ich fühlte mich vor dem Termin eigentlich gut, war guter Dinge, dass alles abgeblutet ist und dass mich der Termin nicht zurückwerfen wird – Pustekuchen. Ich betrat die Praxis und die typischen, sehr netten und offenen Arzthelferinnen am Empfang; nur eine Frau ist mir schon öfters negativ aufgefallen, ich hatte aber bisher noch nichts mit ihr zu tun. Bis zu diesem Tag. Die Konversation lief in etwa folgendermaßen ab: 

Ich: „Guten Morgen“

Frau: „Name?“

Ich: „Wunderzelle, ich habe einen Termin bei Dr. X um 09:00“.

Frau: „Ist hier nicht eingetragen. Wofür haben Sie den Termin?“ 

Ich fing an rumzustottern…Musste ich ihr das sagen?

Frau schaut auf den Computer: „Ah, Sie sind schwanger.“

Ich: „Ähm nein, ich hatte eine Fehlgeburt. Ich bin zur Kontrolle hier.“

Frau: „Ok. Hier liegt noch Ihr Mutterpass.“

Ich: „Den brauche ich ja leider nicht mehr.“ Und hier kamen die Tränen, obwohl ich so gekämpft hatte!

Frau: „Wir können den hier nicht behalten, den müssen Sie mitnehmen.“
Ich. „Okay, kann ich denn nun trotzdem zu Dr. X?“

Frau: „Ich schau mal, ob Sie Zeit hat.“

Dr. X kam da gerade aus ihrem Behandlungszimmer und sah schon die Katastrophe und mich weinendes Häufchen Elend. Sie führte mich direkt in den Raum und begann mit der Untersuchung. Der Rest des Termins lief einfacher, auch wenn ich doch einige Male plötzlich und unerwartet mit den Tränen kämpfte. Es war wohl doch nicht alles so gut weggesteckt, wie ich dachte. 

Meine Ärztin machte nochmal einen Ultraschall, der gut aussah. Auch ein neuer Follikel hatte sich bereits gebildet. Sie schickte mich nochmal ins Labor zum Blutabnehmen, da der HcG-Wert nach einer Fehlgeburt kontrolliert werden muss, um sicherzugehen, dass keine Schwangerschaftszellen mehr in der Gebärmutter sind, die sich irgendwann entzünden können. Zum Glück beauftragte sie direkt eine andere Arzthelferin, mir Blut abzunehmen, die auch wie gewohnt wahnsinnig nett und verständnisvoll war. Und so entließ sie mich mit den Worten, es sei alles in bester Ordnung, solange sie sich nicht mehr meldet. Nach diesem Termin fühlte ich mich wie überfahren, meine positive Stimmung war wie weggeblasen.

Am Dienstag in der Folgewoche klingelte dann doch das Telefon. Zwischen den Jahren solle ich doch nochmal zur HcG-Kontrolle kommen, dies sei aber kein Grund zur Sorge. Irgendwie bedrückte es mich dennoch, hatte ich doch gehofft, dass das Thema nun endlich abgeschlossen werden könnte. 

Wie geht es nun weiter?

Trotz dem Rat meiner Ärztin bei der ersten Kontrolluntersuchung, versuchen mein Mann und ich direkt wieder schwanger zu werden. Ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht, viel recherchiert und eigentlich immer wieder dieselbe Antwort gefunden: Es gibt keine richtige Antwort. Mediziner sind sich uneinig, Fachleute sind sich uneinig. Und unterm Strich bleibt wohl sowieso nur die Natur, die als einzige entscheiden kann, was richtig und was falsch ist. Sollte mein Körper bereit sein, wird er eine neue Schwangerschaft zulassen – und dann entscheidet eben die Natur, ob diese halten wird oder nicht. 

Veröffentlicht von diewunderzelle

Ich hatte eine frühe Fehlgeburt in der 7. SSW. Wie verarbeitet man das? Wie lange darf man trauern und wie geht es weiter? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftige ich mich auf meinem Blog. Stets dabei: Die Hoffnung, dass bald alles besser wird!

3 Kommentare zu „Drei Wochen nach meiner Fehlgeburt

  1. War denn noch HCG nachweisbar? Eigentlich unwahrscheinlich wenn bereits ein neues Follikel gebildet wurde. Aber warum musst Du dann nochmal hin?
    Ich drück Euch die Daumen, dass es wieder bald klappt. Lenk Dich ab und triff ein paar kinderlose Freundinnen. Und bloß nicht so viel in den diversen Foren lesen. Du weißt schon. 😉

    Gefällt mir

    1. Ja, es war noch ein kleiner Rest da, der aber wirklich nicht besorgniserregend war. Schon unter der magischen 5er-Grenze, aber eben noch nicht unter 1. Meine Ärztin möchte sicher gehen, dass das HCG noch komplett auf 0 fällt. An und für sich löblich, aber ich würde mir den Termin auch gerne ersparen 🙈
      Nein, Foren sind ab jetzt tabu, da hast du völlig recht ☺️

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: