Heiraten in Zeiten von Corona: unsere etwas andere Hochzeit


Ja, wir heirateten mitten in der zweiten Corona-Welle. Genauer gesagt Ende Oktober. Geplant war eigentlich ein anderer Termin, an dem wir aber – wer hätte es ahnen können – leider in vom Gesundheitsamt angeordneter Quarantäne saßen. 

Unsere Verlobungszeit war ein Auf und Ab, manchmal auch eine regelrechte Zerreisprobe.

Als ich 2019 meinen Heiratsantrag bekam, war von Corona noch weit und breit nichts zu erahnen. Was für ein tolles Gefühl, wenn einem alle Möglichkeiten zur Verwirklichung der eigenen Traumhochzeit offenstehen!!! Ein Jahr später ist das leider kaum mehr vorstellbar. In unserem Fall waren es auch eigentlich gar keine höchst komplexen oder außergewöhnlichen Vorstellungen. Wir wollten am liebsten im kleinen Kreise, ganz entspannt und ungezwungen, gerne im Garten oder im Freien mit leckeren Grillereien und Drinks unseren großen Tag feiern. Doch noch bevor Corona „zugeschlagen“ hat, haben wir unsere erste Lektion gelernt, vor der ich wirklich jedes verlobte Pärchen warnen möchte: 

Vorsicht bei zu viel äußerem Einfluss!

Es hat wirklich niemand böse gemeint, aber wir haben uns von anderen Hochzeiten und außenstehenden Personen ganz unbewusst so beeinflussen lassen, dass wir anstatt 50 Einladungen plötzlich 85 verschickt hatten. Aus der Gartenfeier mit entspanntem Grillen wurde eine Herbsthochzeit in einer wunderschönen Location; eine, die plötzlich in eine sehr viel traditionellere Richtung ging als wir uns das vorgestellt hatten. Und wo wir uns vor ein paar Wochen noch über Bräuche wie Gastgeschenke und den Hochzeitstanz eher lustig gemacht hatten, übten wir plötzlich fleißig mit YouTube-Videos. Wenn man es so sieht, hat uns Corona wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und uns auf die Basis gebracht, von der wir ursprünglich ausgehen wollten.

Die erste Corona-Welle

Unsere Hochzeit war also schlussendlich für den Herbst geplant. Als im März 2020 Hochzeitsfeiern plötzlich verboten wurden, machten wir uns noch nicht allzu viele Sorgen. Viele Brautpaare (die mir im Nachhinein wahnsinnig leidtun) haben ihre Hochzeit auf den Herbst verschoben und so blieben auch wir optimistisch, dass der Spuk bald vorbei war. Trotzdem legten wir die Vorbereitungen erstmal auf Eis, da einfach nicht vorhersehbar war, wie sich die Lage entwickeln würde. So zogen sich die Monate, in denen wir nichts – gar nichts – für unsere Feier vorbereiteten. Ich fühlte mich geradezu um die schöne Verlobungszeit betrogen, in der man Blumenläden und Bäckereien durchstöbern kann und sich den großen Tag in den buntesten Farben ausmalen durfte. Einzig mein Brautkleid besorgte ich in diesen Monaten – über das Internet, Corona-konform. Nichts mit feuchtfröhlichen Anproben im Beisein von Trauzeugin, den Brautpaar-Müttern und der besten Freundin. Diesen Punkt habe ich schlussendlich tatsächlich nicht bereut, da ich so mein perfektes Outfit (geliefert aus Köln) gefunden habe und kurz vor der Hochzeit beim Schneider meines Vertrauens anpassen ließ. 

Anfang Juli wurden die Auflagen in Anbetracht der sinkenden Infektionszahlen gelockert. Zunächst durften Hochzeiten in Baden-Württemberg trotzdem nur mit Abstand, ohne Tanzen und mit Masken gefeiert werden. Dies kam für uns nicht in Frage, doch natürlich wollten wir weiter abwarten. Im August sah es dann tatsächlich so aus, als könne unsere Feier ganz normal stattfinden. Und so standen wir plötzlich da: Zwei Monate bis zur Hochzeit und nichts war vorbereitet außer meinem Brautkleid und der Location. Nun ging es Schlag auf Schlag: DJ, Blumen, Essen in der Location, Weinprobe. Jedes Wochenende stand ein anderer Termin an, der uns zu unserer – vermeintlichen – Traumhochzeit behelfen sollte. Doch irgendwie wurde die Stimmung bei meinem Mann und mir schlechter, war es doch nicht die Hochzeit, die wir uns vorgestellt hatten. Gleichzeitig stiegen die Infektionszahlen im September wieder an und unser Bauchgefühl wurde mit jedem Tag schlechter. 

Sollen wir oder sollen wir nicht feiern?

Diese Frage haben sich im Jahr 2020 wohl tausende von Brautpaaren an denn unterschiedlichsten Orten Deutschlands – und Millionen in der ganzen Welt – gestellt. Jedes Paar muss sie für sich beantworten. Bei uns kamen einige Faktoren zusammen: Wir hatten ein schlechtes Gefühl, da unsere Eltern alle über 60 waren; gleichzeitig fühlten wir uns aufgrund der kurzen Vorbereitungsdauer schlecht auf den Tag vorbereitet und irgendwie ist die ganze Feier sowieso so aus dem Ruder geraten, dass die Lust immer mehr nachließ. Zudem entwickelte sich in dieser Zeit eine Art Stigma für Hochzeitspaare, die ihre Feier unbedingt durchziehen wollten. In jedem Gespräch, sei es unter Freunden oder auf der Arbeit, ging es um dasselbe Thema: Wollt ihr nun wirklich feiern? Jede/r hatte eine Meinung dazu, die er/sie auch lauthals vertreten wollte. In den Zeitungen laß man nur noch von Hochzeiten als Superspreader-Events. Was, wenn wir nach unserer Feier ebenfalls in der Zeitung standen? Und ganz abgesehen von der öffentlichen Meinung: Wir wollten natürlich niemanden gefährden.

Doch wie sollten wir schlussendlich damit umgehen? So wirklich wussten wir es nicht und so vergingen die Tage, an denen wir wieder zurück in die Nicht-Vorbereitung fielen. An einem Sonntag im September (in Baden-Württemberg waren Feiern bis zu 99 Personen nach wie vor ohne Hygienekonzept möglich) lagen mein Mann und ich morgens im Bett und sprachen – wie fast immer – über die Hochzeit. Irgendwann sagte ich zu ihm: „Manchmal wünschte ich, sie würden es einfach wieder verbieten. Dann wäre es einfach entschieden.“ Und mein Mann antwortete: „Ich auch.“ Wir sahen uns in diesem Moment an und dachten wohl beide dasselbe. So wollen wir nicht feiern. Und so sprachen wir es an diesem Sonntagmorgen aus – „Sollen wir nicht einfach absagen?“. 

Die Absagen

Kaum war unsere Entscheidung getroffen, ging es ganz schnell. Wir riefen noch an diesem Tag unsere Hauptdienstleister an – Location, Fotograf und DJ. Alle waren superkulant und verständnisvoll, obwohl es ja noch kein offizielles Verbot vom Land gab. In der Location vereinbarten wir, an unserem Hochzeitstag ein kleines Dinner mit unseren engsten Freunden und Verwandten zu veranstalten, circa 25 Leute – in unseren Augen ein Traum, nach dem ganzen Auf und Ab der vergangenen Monate. Unser Fotograf freute sich, dass wir überhaupt heiraten und war mit der verkürzten Buchungsdauer einverstanden. Dem DJ versprachen wir, ihn wieder zu buchen, falls wir im Folgejahr die Feier nachholen könnten – diesmal aber, so wie wir es wollten. 

Als nächstes kamen die Absagen an die Gäste. Wir formulierten eine lange WhatsApp-Nachricht, die wir einfach an alle Gäste sendeten. Darin erklärten wir, dass wir in Anbetracht der aktuellen Lage nicht ruhigen Gewissens feiern können und selbstverständlich auch niemanden gefährden möchten. Die Resonanz war irgendwie überraschend: Die meisten Gäste waren wirklich enttäuscht, da sie gerne zur Hochzeit gekommen wären. Trotzdem stießen wir natürlich bei allen auf Verständnis. 

An diesem Tag fiel uns eine große Last von den Schultern. Wir freuten uns nun auf unsere 25-Leute-Feier im kleinen Kreis. Doch auch diese sollte so nicht stattfinden. 

Die Situation entwickelte sich im September/Oktober rasch zum schlechten, die Infektionszahlen stiegen und stiegen. Plötzlich wurden weitreichende Einschränkungen bekanntgegeben (wir hätten also so oder so nicht feiern können), sodass an unserem Hochzeitstag nur noch zehn Personen zulässig waren. Wir luden also bis auf die engste Familie erneut 13 Gäste aus und versuchten, optimistisch zu bleiben. Wir hatten uns mit der Situation abgefunden und waren fest entschlossen, dass allerbeste aus unserem Tag herauszuholen. 

Die Quarantäne

Einen weiteren Rückschlag sollte es noch geben: Vier Tage vor unserem Hochzeitstermin musste mein Mann in Quarantäne. Trotz negativem Testergebnis durfte er diese auch nicht frühzeitig verlassen, sodass mit diesem Moment klar war, dass unsere Hochzeit nicht an unserem Termin stattfinden wird (dieses Datum steht jetzt zwar in unseren Eheringen, aber irgendwie wollen wir sie auch nicht ändern – das Ganze gehört jetzt halt irgendwie zu unserer Geschichte dazu). An diesem Tag purzelten die Tränen, so langsam ließ jeglicher Optimismus nach. Und doch: Wir hatten Glück im Unglück. Unsere Standesbeamtin war so verständnisvoll, dass sie uns einen zeitnahen Ersatztermin anbot und auch die Location und der Fotograf konnten umplanen. Wir verschoben also den gesamten Tag nach hinten, glücklicherweise noch vor der flächendeckenden Schließung der Gastronomie im November. Im Nachhinein hätten wir es nicht besser erwischen können, da an unserem „neuen“ Hochzeitstag der Herbst in den königlichsten Farben strahlte, die man sich wünschen konnte.

Unser Hochzeitstag während Corona

Und so sah er dann aus: Aufgrund des warmen Herbstwetters starteten wir inmitten der Weinberge mit einem wunderschönen Shooting. Nach und nach trudelten unsere wenigen Gäste ein, die allesamt mitmachten. Wir machten ein kleines Picknick im Freien und schlenderten langsam, gemütlich zum Standesamt – Wir hatten alle Zeit der Welt, diesen Tag miteinander zu verbringen, uns mit jedem ausgiebig zu unterhalten und intensiv jeden einzelnen Moment zu genießen. 

Da wir so wenige waren, hat sich jeder einzelne Gast ganz besondere und liebevolle Überraschungen für uns ausgedacht und auch die Standesbeamtin hat sich Zeit gelassen und eine wunderschöne Trauung vorbereitet. Danach haben wir einen ausgiebigen Sektempfang in der Herbstsonne genossen und sind zur Location aufgebrochen. Das Essen war gigantisch! Danach durften wir zuvor vorbereitete Videobotschaften all unserer ausgeladenen Gäste anschauen – unglaublich, wieviel Mühe und Liebe für uns aufgewendet wurde! Wir fühlten uns so wertgeschätzt und geliebt und wussten, dass an diesem Tag sehr viele liebe Menschen an uns dachten. Um 23:00 war dann Sperrstunde in unserer Stadt. Das war’s – verheiratet und glücklich.

Der gesamte Tag war geprägt von Liebe, Familie und Glück, alles umrandet von gold-roten Herbstfarben. Und, ganz ehrlich, mit oder ohne Corona: Ich würde es jederzeit wieder so machen! 

Veröffentlicht von diewunderzelle

Ich hatte eine frühe Fehlgeburt in der 7. SSW. Wie verarbeitet man das? Wie lange darf man trauern und wie geht es weiter? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftige ich mich auf meinem Blog. Stets dabei: Die Hoffnung, dass bald alles besser wird!

3 Kommentare zu „Heiraten in Zeiten von Corona: unsere etwas andere Hochzeit

  1. Hey, wir haben auch in diesem Jahr geheiratet. Die Planung fiel uns auch schwer, aber nicht wegen Corona. Wir hatten einfach nicht diese Vorstellung im Kopf, wie es sein soll. Wir haben dann erst in der ersten Welle angefangen zu planen. Auch im kleinen Kreis. Es war wunderschön und bis auf das nur 6 Personen im Standesamt erlaubt waren, war es dann genauso wie wir es uns gewünscht hatten. ❤

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: