Wie kann ich meiner Freundin nach einer Fehlgeburt helfen? Meine Tipps!


Eine Fehlgeburt ist traumatisierend. Vor allem, wenn der Kinderwunsch groß ist, aber natürlich auch dann, wenn man sich gerade erst auf die Idee des baldigen Familienzuwachses eingelassen hat, ist es schlimm für die werdenden Eltern, wenn auf einen Schlag alles vorbei ist. Dies gilt für Fehlgeburten in sämtlichen Schwangerschaftswochen, wobei es sicherlich Steigerungen mit der fortgeschrittenen Schwangerschaft gibt. Da sich meine Fehlgeburt in der 7. SSW zugetragen hat, möchte ich gerne aus meiner Perspektive sinnvolle Tipps geben, wie mit einer Freundin/einem Freund umgegangen werden kann, die/der einen frühen Verlust der Schwangerschaft durchmachen musste, oder gerade durchmacht. Sicherlich sind auch hilfreiche Hinweise dabei für eine Freundin/einen Freund, die/der dieses Schicksal in der fortgeschrittenen Schwangerschaft erleiden musste. 

Lass ihnen Zeit

Mein wichtigster Tipp, vor allem während/kurz nach der Fehlgeburt: Gib dem Paar Zeit. Es ändert sich von einer auf die andere Sekunde alles im Leben der betroffenen Personen. In den ersten drei Tagen nach meiner Fehlgeburt wollte ich niemanden außer meinen Mann sehen. Trotzdem taten mir Nachrichten meiner Freundinnen gut, die einfach nur aussagen, dass sie da sind, sobald ich bereit bin. 

Dies ist also sicherlich ein guter erster Schritt: Gib‘ deiner Freundin das Gefühl, dass sie dich jederzeit anrufen kann, signalisiere gleichzeitig, dass du dich nicht aufdrängen wirst. 

Eine meiner Freundinnen hat in dieser Phase ein kleines Päckchen für mich zusammengestellt und zu mir geschickt, in dem kleine „Aufmunterungen“ waren: Wohlfühl-Tee, Schokolade, Plätzchen, eine Entspannungsmaske und eine ganz liebe Karte. Es muss nichts Aufwändiges sein, aber ich habe mich so geliebt gefühlt…

Nach dem ersten Schock 

Knapp eine Woche später (sobald auch die Blutungen abgeklungen sind) war ich bereit dazu, wieder unter Leute zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt ist es sicherlich als FreundIn legitim, zu fragen, ob man vorbeikommen darf. Und falls die betroffene Person zusagt, ist es einfach nur wichtig, da zu sein. Hinzugehen. Umarmen und festhalten. Für mich war auch unglaublich wichtig, darüber zu sprechen. Aber das geht sicherlich nicht jedem so. Ich würde also empfehlen, einfach nachzufragen – „Möchtest du darüber sprechen?“ Das Thema komplett zu umgehen, ist in meinen Augen der falsche Ansatz. Und falls deine Freundin/dein Freund darüber sprechen möchte, lass sie darüber sprechen. So lange und so viel sie möchte, auch wenn sich das Gespräch nur noch im Kreise drehen sollte. Ich spreche auch immer noch gerne über unseren Kinderwunsch (der jetzt sogar noch stärker ist). Auch das ist in meinen Augen kein Tabuthema. Und sobald ihr ausgesprochen habt: Bestellt Pizza, schaut einen Film oder lenkt euch anderweitig ab. 

Wie geht es euch?

Was mir auch wirklich wichtig ist: Bitte frag auch in ein paar Wochen nach, wie es deinen Freunden mit der Fehlgeburt inzwischen geht. In der Hektik des Alltags verliert das Thema an Bedeutung, aber nicht so für die betroffenen Eltern. Es ist schön, wenn sich auch nach einigen Wochen nochmal jemand danach erkundigt, wie die Situation verarbeitet wurde. Im besten Fall gut und dann kann das Thema natürlich abgeschlossen werden. In anderen Fällen tust du jemandem einen großen Gefallen damit, ihr oder ihm einen Gesprächspartner anzubieten, wenn er am meisten gebraucht wird; nämlich dann, wenn ein traumatisches Erlebnis offensichtlich noch nicht verarbeitet wurde. 

Was Du vermeiden solltest

Was mich wirklich verletzt und was bitte vermieden werden sollte: Redet den Verlust nicht klein. Natürlich geht es unglaublich vielen Frauen/Paaren so und natürlich ist es mit fortgeschrittener Schwangerschaft nochmal viel extremer. Doch eine Frau ist auch in den ersten Wochen schwanger, das Paar freut sich in den meisten Fällen auch in den ersten Wochen schon auf das Kind und erlebt auch in den ersten Wochen einen unglaublichen Schmerz, wenn die Wunderzelle nicht bei ihnen bleiben kann.

Solltest du selber schwanger sein, gib‘ deiner Freundin ein paar Tage Zeit, falls du die Schwangerschaft gerade bei ihr verkünden möchtest. In meinem Fall war es so, dass ein Verwandter von mir einen Tag nach meiner Fehlgeburt eine Nachricht mit seiner Nachwuchs-Verkündung geschrieben hat. Er wusste nichts von unserer Situation – und natürlich freue ich mich für die beiden – aber das Timing war denkbar schlecht und hat uns zunächst nochmal zurückgeworfen. Sollte es also vermeidbar sein, genau in diesen Tagen die eigene Schwangerschaft zu verkünden, so sollte ein wenig Rücksicht genommen werden. 

Zudem sollte im Umkehrschluss zu meinem Tipp, redefreudige Paare darüber sprechen zu lassen, auch unbedingt vermieden werden, das Thema umständlich zu umgehen oder abzuwürgen. Nichts verletzt mehr (egal in welchen unglücklichen Lebenslagen man sich befindet) als sich öffnen zu wollen, aber vom Gegenüber nicht ernst genommen zu werden oder das Gefühl vermittelt zu bekommen, das Thema sei irrelevant. 

Für mich persönlich (das beziehe ich jetzt aber wirklich nur auf mich; das muss jeder für sich entscheiden) waren einige Sätze verletzend, die gar nicht unbedingt zu mir gesagt wurden, die ich aber auch öfters gelesen habe zu Frauen, die in derselben Woche ihr Kind verloren haben: „Du warst ja erst ganz am Anfang.“; „In der siebten Woche ist das ja noch gar kein Kind.“; „Ihr könnt es ja einfach wieder versuchen.“ Mir vermittelten diese Sätze das Gefühl, ich hätte kein Anrecht darauf, um meine verlorene Wunderzelle trauern zu dürfen. 

Und, last but not least: Gib‘ dem betroffenen Paar Zeit zu trauern. Nach den ersten fünf Tagen hat jemand aus meinem nahen Umfeld wenig sensibel gefragt, ob ich denn immer noch krankgeschrieben sei und ob es mir denn immer noch nicht besser ginge. Bitte tu das nicht. Jede Person (egal ob Frau oder Mann) braucht so lange sie/er braucht und jeder nicht-Betroffene hat dieses Tempo zu akzeptieren. 

Sternenkinder/Schmetterlingskinder-Aktionen

Abhängig davon, in welcher Woche die kleine Wunderzelle das Leben seiner Eltern verlassen hat, gibt es wunderschöne Aktionen für Schmetterlingskinder/Sternenkinder. Natürlich sollte dies eine Sache zwischen deiner Freundin und ihrem Partner/ihrer Partnerin sein. Aber vielleicht kannst du sie auf eine besonders schöne Idee hinweisen? Beispielsweise kann eine Pflanze in Gedenken an das kleine Sternchen gepflanzt werden, die jedes Jahr wieder zu blühen beginnt. 

Unter’m Strich ist vor allem eines wichtig: Da sein. Die Situation annehmen und vor allem nicht kleinreden. Darüber sprechen. Hilfe anbieten. 

Hast du weitere Tipps?

Warst du schon in der Situation, entweder eine Fehlgeburt verarbeiten zu müssen oder einer Freundin helfen zu wollen, die eine Fehlgeburt erleiden musste? Wie bist du damit umgegangen und hast du weitere Tipps, wie mit der Situation am besten umgegangen werden kann?

Veröffentlicht von diewunderzelle

Ich hatte eine frühe Fehlgeburt in der 7. SSW. Wie verarbeitet man das? Wie lange darf man trauern und wie geht es weiter? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftige ich mich auf meinem Blog. Stets dabei: Die Hoffnung, dass bald alles besser wird!

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