Pille absetzen – auf geht’s, Zyklus, ich warte!


Ich habe Ende September 2019 nach 15-jähriger Einnahme endlich die Pille abgesetzt. Es gab eigentlich keinen besonderen Auslöser, ein vager Kinderwunsch war zwar damals schon da, aber es war nicht so, dass wir direkt schwanger werden wollten. Vielmehr wollte ich meinem Körper endlich die Hormon-Einnahme ersparen und ihn wieder zu seiner natürlichen Funktionsweise zurückführen. Und wer wusste schon, wie lange es dauern würde, bis alles so „läuft“, wie es soll? Heute weiß ich es: ein Jahr. 

Ich setzte die Pille also hoffnungsfroh ab – do your magic, Körper. Jetzt kann’s losgehen. Ich wartete auf die erste Periode und war gespannt, was passiert. Und was passierte? Nichts. Meine erste „natürliche“ Periode im Erwachsenenalter begann am 24.01.2020. Ich weiß das noch so genau, weil ich kurz zuvor Geburtstag hatte und an diesem Abend mit Freunden essen gehen wollte. Meine Unterleibsschmerzen waren so stark, dass ich mich einige Stunden hinlegen musste. Puh, das war ich nicht gewohnt! Aber ich war auch erleichtert, dass es endlich losging und mein Zyklus sich nun einpendeln konnte. In den folgenden Wochen wurde meine Haut schlechter, meine Haare fettiger und meine Stimmung unterlag ziemlichen Schwankungen. Meine Periode kam unregelmäßig, mal nach 30, mal nach 40 Tagen. Wer will schon planen und wissen, wann er Tampons dabei haben sollte? So machen Überraschungen doch viel mehr Spaß.

Es stimmt wohl, die Pille macht schöner – und trotzdem: Ich würde es immer wieder tun! Ich genieße es, meinen Körper in seiner natürlichen Funktionsweise arbeiten zu lassen und keine Hormone zu mir zu nehmen. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass die Pille mein Gemüt etwas „betäubt“ hat, zumindest erlebe ich Stimmungen nun viel extremer. Manchmal zum Leidwesen meines Mannes, aber ich bin froh darüber. Ich habe seitdem mit starkem PMS zu kämpfen. In den Tagen vor meiner Periode bekomme ich starke Unterleibsschmerzen, Pickel und Brustziehen.

Ein knappes Jahr später…

Und irgendwann war dann die Zeit da, in der der Kinderwunsch stärker wurde. Wir machten uns immer noch keinen Druck, aber hatten oft davon gesprochen, dass wir es einfach drauf ankommen lassen und uns freuen, wenn es funktioniert. Verhütet haben wir seit dem Absetzen der Pille kaum – wir hätten uns von Anfang an über Nachwuchs gefreut, haben beide sichere Einkommen und ein schönes Zuhause. Es ist gut, dass wir uns keinen Druck machten, denn die Natur wollte sowieso noch etwas warten. Seit Absetzen der Pille messe ich meine Basaltemperatur und kann so genau nachvollziehen, ob ich einen Eisprung hatte und tja, den hatte ich bis Ende September 2020 leider nie. Ich wurde unruhig, natürlich wusste ich, dass es dauern könnte, bis sich der Zyklus komplett normalisiert, vor allem nach dieser langen Einnahmezeit. Aber trotzdem wird man nach einem knappen Jahr so langsam ungeduldig. Im August 2020 beschloss ich, mich von meiner Frauenärztin durchchecken zu lassen, die sehr verständnisvoll war und auch direkt die notwendigen Untersuchungen anregte. Die organische Untersuchung per Ultraschall verhieß Gutes, alles da wo es sein soll. Die Blutuntersuchung sollte dann die Basalhormone bestimmen, damit konnte genau nachvollzogen werden, ob ein Hormon zu viel oder nicht gut genug vertreten war und eventuell einen Eisprung verhindert.

Die erste Blutuntersuchung sollte am 3.-5. Tag meiner nächsten Periode stattfinden. Gesagt, getan, ging ich als es soweit war zur Praxis und ließ mir Blut abnehmen. Jetzt hieß es wieder: warten. Zwei Wochen später rief meine Ärztin mich an. Sie sagte mir, dass meine Hormone eigentlich alle gut aussehen. Nur das männliche Hormon sei etwas erhöht, aber das sei an und für sich kein Grund zur Sorge. Ich solle zu Beginn der zweiten Zyklushälfte, 14 Tage vor Beginn der nächsten Periode, wiederkommen, um die Hormonentwicklung zu untersuchen. Nun war bei mir die Bestimmung der zweiten Zyklushälfte nicht ganz so einfach, weswegen wir den Mittelwert der letzten Perioden nahmen. Es war inzwischen September geworden und ich hatte angefangen, Ovulationstests zu verwenden – schließlich war ich immer noch optimistisch, dass ein Eisprung irgendwann eintreten würde. Und siehe da; mein Termin zur Blutabnahme war am Freitag, am Montag zuvor war mein Ovulationstest plötzlich positiv! Ich hatte bereits recherchiert, dass ein positiver Ovulationstest nicht immer zwangsläufig auch zum Eisprung führte, aber ich war hoffnungsvoll und sah dies als hervorragendes Zeichen. Und drei Tage später stieg dann auch meine Basaltemperatur zum allerersten Mal an. Was für ein tolles Gefühl! Ich ging trotzdem zur Untersuchung und verkündete auch ganz stolz, dass ich einen Eisprung hatte. Die Arzthelferin und meine Ärztin freuten sich riesig mit mir. Es ist schön, wenn Frauen verstehen, welche Sorgen andere Frauen haben und sich gegenseitig unterstützen. 

Zwei Wochen später rief meine Ärztin mich erneut an und erklärte mir erneut, dass die Werte – bis auf die leichte Erhöhung der männlichen Hormonwerte – gut waren! Und dass der Eisprung auch im Blut nachweisbar war. Ich freute mich riesig; bei mir hatte es also einfach nur länger gedauert, bis mein Zyklus sich normalisiert hat. 

Schwanger wurde ich in diesem Zyklus nicht, aber tatsächlich im Folgezyklus. Dass die Schwangerschaft sich nicht halten konnte, ist ja kein Geheimnis. Aber trotzdem bin ich so unglaublich stolz auf meinen Körper, dass diese Schwangerschaft eingetreten ist. Da ich erst zwei Eisprünge hatte, kann ich noch nicht abschätzen, wie es mit meinen Zyklen wohl nun weitergehen wird, deswegen: Los, Eizellchen, bildet euch und springt! 

Veröffentlicht von diewunderzelle

Ich hatte eine frühe Fehlgeburt in der 7. SSW. Wie verarbeitet man das? Wie lange darf man trauern und wie geht es weiter? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftige ich mich auf meinem Blog. Stets dabei: Die Hoffnung, dass bald alles besser wird!

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