Der Anfang vom Ende meiner Schwangerschaft


Am Tag meines ersten Untersuchungstermins wachte ich auf und hatte eine leicht bräunliche Schmierblutung. Ich erzählte es meinem Mann und fing an – was sonst – zu googlen. Kann alles oder nichts sein. Bräunliches Blut = altes Blut? Häufig unproblematisch. OK gut, ab zum Frauenarzt. Ich lief die 20 Minuten zur Praxis, um etwas Bewegung zu bekommen. Beim Frauenarzt angekommen, gab ich eine Urinprobe ab und sah wieder den bräunlichen Ausfluss. Ich versuchte, ruhig zu bleiben. Die Arzthelferin untersuchte meinen Blutdruck, der ziemlich hoch war. Scherzhaft meinte sie, das würden wir nachher nochmal machen, wenn die Untersuchung vorbei ist und ich nicht mehr so aufgeregt bin. Dann nahm sie Blut ab und kontrollierte mein Gewicht.

Es geht los

Und dann war es endlich so weit. Ich saß meiner Ärztin gegenüber, die sich sehr für uns freute. Sie begann direkt mit dem Ultraschall, um mich von meinen Qualen zu erlösen. Wir konnten die Fruchthöhle sehen und…das war’s. Kein Embryo, nur eine Fruchthöhle. Mein schlechtes Gefühl nahm zu, obwohl meine Ärztin hier erstmal nichts Besorgniserregendes sah. Sie versuchte, mich zu beruhigen, da es oft etwas länger dauern könnte, bis man einen Embryo sah. Ich bekam ein Bildchen für meinen Ehemann mit, der aufgrund von Corona nicht mit zur Untersuchung durfte. Die Schmierblutungen bereiteten ihr offensichtlich Sorgen, auch wenn sie sehr ruhig und professionell blieb. Es könnte einfach nur altes Blut sein, es könnte aber auch ein Vorbote für einen Abgang sein. Wenn ich ehrlich bin – ich wusste, was es war. Aber natürlich klammerte mich wieder an den Strohhalm des alten Blutes. Ich bekam Progesteron-Tabletten, die ich abends nehmen sollte. Soweit würde es aber nicht mehr kommen. Sie schrieb mich für die Folgewoche krank und empfahl mir Ruhe und Entspannung. Und so lief ich nach Hause, mit Tränen in den Augen und einem unendlich schlechten Gefühl, obwohl ja eigentlich noch gar nichts passiert war. Oder?

Eine Frage des Instinkts?

Zuhause angekommen, liefen die Tränen sturzbachmäßig. Ich konnte mich kaum beruhigen. Ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ich meinen wertvollen Schatz verlieren würde. Mein Mann kam nach Hause und versuchte, für mich da zu sein, mich wieder in den Moment zurückzuholen, in dem doch noch alles gut werden konnte. Inzwischen hatte ich starke Unterleibsschmerzen bekommen, die Schmierblutung hatte aber für ein paar Stunden aufgehört. Die Schmerzen waren stärker als bisher in der Schwangerschaft. Wehenartig, würde ich sie als Laie beschreiben (auch hier kann ich das Kopfschütteln von Müttern, die ihre Kinder unter Wehen gebären durften, vor meinem inneren Auge sehen). Sie kamen in Wellen, stark und ziehend und gingen wieder. Und kamen wieder. Und gingen wieder. Ich lag im Bett und versuchte mich mit Netflix abzulenken. So wirklich konnte ich mich aber nicht auf die Serie konzentrieren. Mein Mann war die ganze Zeit bei mir und schlief zwischenzeitlich für eine halbe Stunde ein. Gegen 16:00 ging ich zur Toilette und da war es – helles, frisches Blut. Nun war es also soweit… Kaum schwanger, war es wieder vorbei. Ich spürte den Schlag ins Gesicht mit voller Wucht. Ich starrte in die Toilette und Panik stieg in mir auf. Wieder musste ich meinen Mann aus dem Schlaf reißen: „Ich blute. Es ist vorbei.“ Er umarmte mich, aber ich wollte gar nicht umarmt werden. Ich wollte etwas unternehmen. Was soll ich nur tun? Kann ich es aufhalten??? Ich muss doch irgendetwas tun können???

Ich rief in meiner Frauenarztpraxis an und erreichte eine Arzthelferin. Unter Tränen schilderte ich ihr, was passiert war. Sie war sehr einfühlsam, aber konnte mir auch nur sagen, dass sich das nicht gut anhören würde… Nichts, was ich nicht bereits wusste. Eine Ärztin aus der Gemeinschaftspraxis, die ich noch nie gesehen habe, würde mich nach ihrer nächsten Untersuchung zurückrufen und mir sagen, was ich tun sollte. Es könnte aber circa 30 Minuten dauern. Eine Stunde später noch immer kein Anruf. In der Zwischenzeit haben mein Mann und ich nicht viel getan. Nur geweint. Uns umarmt. Uns gefragt, wieso es uns treffen musste. Warum wir? Warum unsere Wunderzelle?

Wir dachten inzwischen, die Ärztin hätte uns vielleicht vergessen, weswegen ich in der gynäkologischen Ambulanz anrief. Auch diese Ärztin war sehr verständnisvoll und versuchte mich durch meine tränenerstickte Stimme hinweg zu verstehen und zu beruhigen. Ich solle vorbeikommen, müsse mich aber auf eine längere Wartezeit einstellen. Mein Mann müsse aber draußen warten – Corona. Genau, was man sich in dieser Situation wünscht, alleine im Krankenhaus zu sitzen. Als wir uns gerade anzogen, rief die Ärztin aus meiner Frauenarztpraxis zurück. Sie machte mir keine großen Hoffnungen und erklärte mir, dass man es nicht aufhalten könnte, sollte sich das Baby zum Gehen entschieden haben. Ich könne über’s Wochenende zuhause bleiben und am Montag in die Praxis kommen, solange die Schmerzen nicht unerträglich würden, ich Fieber bekäme oder die Blutungen zu stark würden. Das beruhigte mich auf irgendeine Weise. Ich wollte nicht in die Klinik.Und so verbrachte ich das Wochenende zuhause, mit Unterleibsschmerzen, starken Blutungen und den Geweberesten meines Zellhaufens. Ich weinte viel und konnte die Ungerechtigkeit und mein Selbstmitleid kaum ertragen. Ich hoffte nun eigentlich nur noch, dass mein Körper auf natürliche Weise mit der Sache abschließen kann.

Veröffentlicht von diewunderzelle

Ich hatte eine frühe Fehlgeburt in der 7. SSW. Wie verarbeitet man das? Wie lange darf man trauern und wie geht es weiter? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftige ich mich auf meinem Blog. Stets dabei: Die Hoffnung, dass bald alles besser wird!

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